YCW Aktuell

Sie & Er Regatta 2018

Das Tagebuch des Regattaleiters - warum hält sich der Wind an keinen Plan?

Dieses Jahr wird alles super. Wir haben seit Tagen einen schönen Ostwind am Überlinger See und traumhaftes Wetter. Alle Wettervorhersagen versprechen weiterhin beste Bedingungen. Dieser Ost ist im Sommer immer herrlich konstant. Das Wasser leuchtet bereits karibisch türkisfarben. Ein Traum. Der Überlinger See zeigt sich von seiner besten Seite. Alles scheint perfekt für Regattabesuch vom ganzen See. Die Bojen sind aufgeblasen, der Flaggenrahmen ist montiert, Pokale stehen bereit und das Hafenfest nimmt langsam Schwung auf. Wir sind bestens vorbereitet. Am Samstag beobachten wir die Boote der Sipplinger Einhand-Regatta vom Wallhausener Steg aus, wie sie den Überlinger See durchkreuzen, nur ab und an hängen sie noch kurz in kleinen Windlöchern. Das soll am Sonntag bei der Sie und Er Regatta von Wallhausen viel besser werden.Was gibt es Schöneres für eine Regattaleitung als eine klare Ansage von Wind und Wetter.  Wir glauben gerne daran und genießen das heitere Sommerfest und den lauen Samstagabend im und vor dem gelben Zelt im Yacht-Hafen Wallhausen. Wie gesagt: Für den Sonntag war ja alles klar mit dem Wind. Der Vergnügungswart hat sich dieses Jahr etwas Schönes einfallen lassen: Der Mastenwald im Hafen wird durch eine wechselnde Beleuchtung zum Lichtspektakel. Im Hintergrund leuchtet die Überlinger Standpromenade.
Nach einer kühlen Nacht folgt ein recht frischer Morgen mit leichtem Wind.
Aus West? Oder Süd? Oder ist überhaupt Wind? Na ja, bis wir auslaufen und starten wird sich der Wind schon einstellen. Versprochen ist versprochen. Steuermannsbesprechung- wir kündigen den Start gleich etwas später an und wollen so unserem schönen konstanten Ostwind noch etwas Zeit verschaffen.
Das Programm für diesen Regattasonntag ist straff: die Langstrecke dauert wie sie heißt: lang. Danach muss ausgewertet werden. Zum Glück geht das mittlerweile schnell. Wir sind ein eingespieltes Team. Währenddessen können die hungrigen Segler das Regattavesper vernichten und Regattabier lenzen, sowie die Segeltaktik nachbesprechen. Die Preisverleihung für die 40 Boote braucht auch seine Zeit. Wir möchten die Teilnehmer nicht zu spät auf die teils weite Heimreise bis weit auf den Obersee schicken. Immerhin ist heute Sonntag. Der Abbau von Fest und Regatta muss auch noch in diesen Sonntag passen.
Also bleibt nicht viel Zeit, um auf diesen Ost zu warten. Wir schießen den Start an. Die Startkreuz geht in Richtung West.
Der Wind ist schwach, doch alle kommen relativ zügig weg. Wir sind zufrieden. Erst einmal. Bis der Wind einschläft. Frustration auf dem Startschiff kommt auf. Telefonate mit den Bojenlegern: alle Bojen liegen schon fest bei Wassertiefen bis 140 m. Hier lässt sich nichts mehr machen. Die Segler haben eine lange Strecke vor sich. Der Wind passt nicht zum Plan. Er kommt, schläft ein, dreht, weht mal hier und dann wieder wo ganz anders. Eine sehr bekannte und ungeliebte Spezialität vom Überlinger See.
Auf dem Startschiff bleibt nur noch zu warten. Hoffentlich wird das noch was mit dem Ost. Wir wollen doch unsere Pokale und Preise loswerden. Das haben wir bisher immer hinbekommen und das soll auch so bleiben.
Die Segler kämpfen tapfer um jeden Meter und Windstreifen. Es ist sommerlich warm und der angesagte Wind lässt sich Zeit. So lange, bis die ersten Boote sich bereits über die Ziellinie schieben. Dann erst nimmt der Ost seine Kraft auf und bläst das restliche Regattafeld zügig hinterher. Erleichterung, Erschöpfung und Freude auf dem Startschiff und den Seglern. Es hat doch wieder alles geklappt, wenn auch nicht ganz nach Plan. Immerhin: Zur Heimreise der Teilnehmer weht ein schöner Wind und nächstes Jahr bekommt er noch eine Chance.

 

Die Ergebnisse sind auf unserer Homepage:

<Link zu der Ergebnisliste>

 Bilder von Christian Schiele mit dessen freundlicher Genehmigung